Kunst am Bau, Alter Bauhof, Ottensheim 2026

Über diese Aktion

OTTOpus – Eine Verbindung von Kunst und Funktion

Die Decke im Veranstaltungsraum muss viele Funktionen bereitstellen – Schallabsorption, Schalldiffusion, lokalisierbare Beschallung und steuerbare Beleuchtung. Ein Kunstobjekt soll einerseits Absorption und Diffusion durch einen speziell dafür entwickelten Aufbau erfüllen, andererseits als Plattform die nötigen Montagepunkte für Licht- und Tontechnik bereitstellen.

Es wird organisch, modular und anpassbar sein und kann sich je nach Bedarf in den Hintergrund einfügen oder präsenter werden.

Raumakustische Wirkung

Der Alte Bauhof soll passende Bedingungen für unterschiedliche Formate und Genres bieten. Lesungen, Klassik, Jazz, Rock, Tanzveranstaltungen oder Theater stellen sehr unterschiedliche Bedingungen an die Beleuchtung, aber vor allem an die Akustik des Raumes. Dies wird über eine aktive, variable Raumakustik bewerkstelligt – so können akustisch unterschiedliche Räume wie Kirchen, Konzerthäuser oder Theater extrem realistisch simuliert werden. Damit das mit dem vorhandenen OTTOsonics Mehrkanalsystem funktionieren kann, gibt es genaue Anforderungen an die tatsächliche Raumakustik, die ähnlich wie in einem Tonstudio sind. Das bedeutet eine tendenziell trockene, ausgewogene Akustik mit kurzer Nachhallzeit über möglichst viele Frequenzen, was üblicherweise aus einer Mischung aus baulichen Maßnahmen (antiparallelen Wänden), Bassfallen, Breitbandabsorbern und Diffusoren hergestellt wird.

Über eine Kooperationen mit dem in Ottensheim beheimateten Papplab konnten wir im Bereich der Deckendiffusoren bereits die günstigen akustischen Eigenschaften von gekrümmten Kartonstrukturen an der Decke testen. Die Unterseite des Objektes wird über die gebogene und unregelmäßige Oberfläche als Diffusor wirken und gleichzeitig die Aufnahme für den Lautsprecher bieten. Die Rückseite wird mit schallabsorbierenden Material aufgefüllt, das durch den Abstand zur Decke (ca 1,5m) eine Absorptionswirkung bis zu 60Hz aufweist.

Beschallung

Für die Beschallung von den oberen Positionen wurde im letzten Jahr ein neuer Lautsprecher entwickelt, der für den Zweck optimierte Abstrahlcharakteristik aufweist und auf den Designs für spherical speakers (inbes. ein unregelmäßiger Ikosaederstumpf) basiert. Der OTTOpus wird Platz für die Montage diese Lautsprecher inkl. der Verkabelung bieten. Die Lautsprecher werden durch das OTTOsonics Projekt bereitgestellt, eingebaut und verkabelt.

OTTOpus - technische Zeichnungen und Prototyp

technische Zeichnungen und Prototyp

Beleuchtung

An ausgewählten Punkten an den Armen und im Zentrum des OTTOpus werden Fassungen für LED Leuchtkörper angebracht, die einzeln über ein DMX Signal angesteuert werden können und ein angenehmes, indirektes Saallicht oder schnelles und auffälliges Effektlicht erzeugen können. Auch hier wird die technische Hardware (Beleuchtungsmittel, Dimmer, DMX Verkabelung) von OTTO selbst bereitgestellt und eingebaut. Der OTTOpus stellt die notwendigen Montagepunkte her und bietet Platz für die Verkabelung.

Konstruktion

Eine aus Draht und Formrohren an die Decke montierte Unterkonstruktion trägt ähnlich wie beim Bootsbau die durch Spanten und Rippen zusammengeleimte Tragkonstruktion der Außenhaut aus übereinander kaschierten Papierbahnen.

In den Tentakeln sind die Lautsprecher des OTTOsonics Soundsystems und das Saallicht in Form von überdimensionalen Glühbirnengeschwüren eingebaut.

Durch die Verklebung der Außenhaut mit einem Spezialkleber aus Wasserglas, Lehm und Silikatmehl und der Verwendung von PET Vlies als absorbierendes Material erreichen wir den notwendigen Brandschutz.

OTTOpus - Prototyp eines Armes

Prototyp eines Armes

Eine künstlerischen Betrachtung

Wir nennen es – dem Denkraum von Donna J. Haraway entlehnt – Pimoa Chtulhu. Sie verweist auf Meeresspinnen, Oktopusse und andere tentakuläre Lebensformen und eröffnet einen Denkraum jenseits linearer Ordnungen. Ihr Sein ist Multinaturalismus in Aktion: ein Animismus ohne Romantisierung, eine Ontologie der Berührung, des Farbwechsels, der flüchtigen Intelligenz.

Sie gehören zu jenen Lebensformen, die nicht repräsentieren, sondern verknüpfen, nicht beherrschen, sondern verheddern. Sie verlangen das Aushalten komplexer Verstrickungen.

Pimoa Chtulhu ist ein Wesen des Zeitalters des Chtuluzäns.

OTTOpus - mögliche Verteilung der Arme des OTTOpus an der Decke

mögliche Verteilung der Arme des OTTOpus an der Decke

Dieses ist ein Geflecht partieller Verbindungen. Wissen entsteht nicht aus Distanz, sondern aus Nähe, nicht aus Übersicht, sondern aus Berührung. Erkenntnis ist situativ, verkörpert und verstrickt – sie entsteht im Dazwischen.

Oktopusse, Meeresspinnen und andere tentakuläre Wesen erinnern daran, dass Welt nicht geordnet, sondern gepflegt werden muss. Nicht durch Vereinfachung, sondern durch Aufmerksamkeit. Nicht durch Kontrolle, sondern durch das Bleiben bei der Unruhe.

Diese Qualitäten möchte die multimediale Soundskulptur aufgreifen und wiederspiegeln.
Hochkomplexe technische Lösungen treffen auf amorphe Formen. Zufall verbindet sich mit Präzision. Der Farbwechsel des Oktopus begegnet einer flüchtigen Intelligenz.

Als aus Karton geformter Oktopus hängt das Objekt frei im Raum und spannt ein Netz aus Material, Klang und Licht. Es wirkt zugleich als Körper und als Medium, als Träger und als Vermittler.

Kunst am Bau, Alter Bauhof Ottensheim 2026

Franz Lun – Design künstlerische Gestaltung
Wodo Gratt – Entwicklung Bau
Manuel Mitterhuber – Ottosonic Sounddesign